pbs AKTUELL - Fachhandels-Praxis Silke Bosbach in Overath,
Stricken im Untergrund

Silke Bosbach in Overath

Silke Bosbach führt in Overath seit 1993 ein Hobby- und Kreativ-Fachgeschäft mit dem Schwerpunkt Künstlerbedarf, das sie mit Unterstützung von fünf Mitarbeitern betreibt. Zusätzlich organisiert sie ein ergänzendes Angebot an Seminaren über künstlerische und handwerkliche Techniken für Jugendliche und Erwachsene. Mit einer ausgesprochen originellen Aktion hat sie nun auf sich und die Kreativbranche aufmerksam gemacht und wurde für ihre Idee auf der Paperworld mit dem Insider Award ausgezeichnet. Guerilla Knitting Award nennt sich die Markting-Aktion, mit der sie frischen Wind in die Handarbeitsszene gebracht hat. Denn eine Mütze zu stricken ist an sich nichts Besonderes – es sei denn, diese wird von einer Parkuhr getragen. Guerilla-Stricker nennen sich Menschen, die lieber Gegenstände im öffentlichen Raum bestricken, als die Familie mit Socken und Handschuhen zu beglücken. Das gestrickte Graffiti hat sich in den vergangenen Jahren von Amerika und Australien über England und Spanien bis nach Deutschland ausgebreitet. Ziel der Strickwerke ist es, die maskuline Street Art durch weiblich anmutende Aktionen zu bereichern. Im Grunde geht es in erster Linie aber um eines: Spaß zu haben und in nächtlichen Befestigungsaktionen das Stadtbild ironisch zu verfremden.

So innovativ und ideenreich wie alle ihre Projekte hat Silke Bosbach auch das Thema Guerilla-Knitting weiterentwickelt und dazu einen eigenen Award ausgeschrieben: „Aufgabe ist es, Gegenstände im wahrsten Sinne des Wortes einzustricken und so triste Orte aufzupeppen. Hüllen Sie graue Betonpfeiler oder Laternenpfähle in bunte Maschen, verpassen Sie Pollern und Parkuhren Ringelmützen, wickeln Sie Schals um Denkmäler oder Parkbanklehnen, ziehen Sie Skulpturen Strickschläuche an oder umgarnen Sie effektvoll Steine, Zäune oder Türklinken mit flauschigen Garnen. Auch Telefonhäuschen, Litfasssäulen, Motorräder oder Busse können mit fröhlich-bunter Streetwear versehen werden.“ Mit ihrem Guerilla Knitting Award lag Silke Bosbach absolut richtig und traf offenbar den Nerv der Zeit: Bis zur Einreichungsfrist am 17. September 2011 lagen laut Bosbach 179 „ebenso einzigartige wie auch fantas-tische Einreichungen“ vor. Lauter Strick-Aktionen, die von den Überzeugungstätern auf frischer Tat fotografiert und für den Award eingeschickt wurden. Für Bosbach war das ein „fantastisches Ergebnis“, mit dem sie nicht gerechnet hatte.

Das Beispiel von Silke Bosbach zeigt: Inspirationen zu guten Marketingideen lassen sich überall finden, manchmal liegen sie förmlich „auf der Straße“. Es braucht dafür einen freien Blick und auch die Bereitschaft, quer zu denken und zunächst verrückt erscheinende Ideen zuzulassen – und dann den Mut, „ja“ zu sagen zu einer nicht alltäglichen Aktion.
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